Uraler Sehbehinderte haben die Stadt auf Barrierefreiheit überprüft

In Jekaterinburg fand der regionale Wettbewerb in Stadtorientierung für sehbehinderte Menschen statt. Die Orientierungsstrecke durften die sehbehinderten Teilnehmer nur mit Hilfe von Navigationsapps und einem Taststock zurücklegen.
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Die Veranstalter hoben hervor, dass dieser Wettbewerb im Rahmen der Vorbereitung auf den Ersten Weltkongress für Menschen mit Behinderungen organisiert wurde, der in Jekaterinburg im Herbst stattfindet. Einer der Programmpunkte – “Inklusive Stadt” – ist im Stadtzentrum am Damm vorgeplant. Eben dieses Territorium haben die Uraler Sehbehinderten auf Barrierefreiheit überprüft.
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Die Bedingungen des Wettbewerbs setzen voraus, dass jeder Teilnehmer auf der Strecke möglichst selbständig bleibt, d.h. seine Lage mit Hilfe von Navigationsgeräten feststellt, seine Ankunft zu einem bestimmten Ort über Navigationsapps im Smartphone bestätigt, vorgegebene Objekte fotografiert. Alle Teilnehmer werden zwar von Freiwilligen begleitet, dürfen sie aber nicht um Hilfe bitten. Dagegen kann man sich aber an die Passanten wenden, denn der Umgang mit anderen Menschen zeigt die Fähigkeit der Sehbehinderten entstehende Navigationsprobleme in einer realen Situation zu lösen.

Die Veranstalter haben zum ersten Mal gewagt, so einen Wettbewerb im Winter durchzuführen. Die winterliche Orientierung hat seine Vor- und Nachteile, so die Mitarbeiter der gemeinnützigen Organisation “Weiβer Stock”.

“Hauptschwierigkeiten bereitet uns grimmiges Glatteis. In diesem Fall ist eine Kniebeugehaltung empfehlenswert, wie beim Schlittschuhlaufen. Auβerdem ist es wichtig sich wärmer anzukleiden, weil das Wetter in Jekaterinburg oft umschlägt. Es gibt aber auch gewisse Vorteile: im Schnee sind viele Pfäde gezogen, die einem automatisch eine Richtung geben” erzählte der Leiter der gemeinnützigen Organisation “Weiβer Stock” Oleg Kolpastschikov.
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Unter Teilnehmern gibt es Profis, die blind durch Russland reisen, aber auch Neulinge, die nur ein Paar Male einen Taststock benutzt haben. Als meist erfahrener Teilnehmer des Wettbewerbs in Winterorientierung erwies sich Evgenij Wedernikov. Er ist von der Kindheit an sehbehindert, bleibt aber aktiv und dynamisch, knüpft leicht Kontakte an und geht gerne mit Menschen um. Gerade diese Eigenschaften bewegten ihn dazu, einen weiβen Stock in die Hand zu nehmen.
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“Das einzige Problem in meiner Kindheit war eine übertriebene Bevormundung seitens meiner Eltern. Ich musste dagegen ein wenig kämpfen und mein Recht auf schrankenlose Mobilität durchsetzen. Zur Zeit habe ich schon die Hälfte des Landes bereist. Ich reise mit dem Zug, mit dem Bus und auch per Anhalter. Und das gefällt mir sehr. Die weiteste Reise war nach Kiew”, erzählte Evgenij.

Die Fachleute aus der Organisation “Weiβer Stock” meinen, die wichtigste und notwendigste Fertigkeit für einen blinden Menschen sei es durch die Stadt mit einem Taststock laufen zu können. Es ist nicht schwierig diese Fertigkeit zu erwerben.

“Hauptsache – anzufangen. Und dann immer mehr selbständig üben. Man muss sich am Kragen aus dem Sumpf ziehen und sich nach drauβen begeben. Darum ist es wichtig motiviert zu sein! Zum Wettbewerb sind Leute zusammengekommen, die motiviert, positiv gestimmt und auf den Fortschritt orientiert sind. Heute haben sie unter Aufsicht von Freiwilligen Wettbewerbsaufgaben erfolgreich bewältigt und morgen werden sie sich schon ohne Helfer sicher in der Stadt fühlen”, unterstrich Oleg Kolpastschikov.

Wir erinnern Sie daran, dass der 1. Weltkongress für Menschen mit Behinderungen in Jekaterinburg am 7.-10. September 2017 stattfindet. Zur Veranstaltung werden ungefähr 700 Teilnehmer mit unterschiedlichen Behinderungen erwartet, die Hälfte darunter Vertreter von anderen Ländern. Die Anmeldung wird am 30. Juni abgeschlossen.